Kilimandscharo Die Geschichte einer Legende

Der Kilimandscharo ist das höchste Bergmassiv Afrikas. Der Berg in Zahlen & Fakten:
Kilimandscharo

Kaum ein Berg der Welt wird so überhöht wie der Kilimandscharo – und dabei gleichzeitig so unterschätzt. Zuerst die Fakten: Der Kilimandscharo ist ein Bergmassiv im Norden Tansanias nahe der Großstadt Arusha. Damit liegt er rund drei Grad südlich des Äquators. Er ist Teil des Ostafrikanischen Grabens, der vor 1,5 Millionen Jahren durch die Verschiebung der Kontinentalplatten entstand. Gewaltige Vulkane türmten sich danach auf, auch der Kilimandscharo wird bis heute als aktiver Vulkan eingeschätzt; seine letzte Eruption liegt allerdings mehr als 10 000 Jahre zurück. Das Massiv besteht aus drei Kratern: Mawenzi, Shira und Kibo. Der Kibo ist mit seinen 5895 Metern der höchste dieses Trios und damit nicht nur der höchste Gipfel des Kontinents, sondern auch der höchste freistehende Berg der Welt. Sein Spitzname, »das Dach Afrikas«, macht bereits die Überhöhung des Kilimandscharo deutlich. Seit jeher wird er mythologisiert. Die Massai erklärten ihn zum Wohnsitz ihres Gottes Engai und damit zum Heiligtum, den Europäern hingegen schien die Existenz eines so hohen Gipfels in Afrika derart unmöglich, dass sie ihn schlicht für erfunden hielten. Als der deutsche Missionar Johannes Rebmann 1848 zum ersten Mal den Kilimandscharo erblickte und in seinem Tagebuch festhielt, »dass das Weiße auf dem Gipfel, das mein Führer schlichtweg beredi, Kälte, nannte, nichts anderes sein könnte als Schnee«, wurde er von europäischen Wissenschaftlern belächelt und für verrückt befunden. Doch die erste dokumentierte Besteigung des Berges beseitigte alle Zweifel: Am 6. Oktober 1889 steckten der Leipziger Geograf und Biologieprofessor Hans Meyer und der österreichische Alpinist Ludwig Purtscheller die deutsche Fahne auf den Gipfel und tauften ihn Kaiser-Wilhelm-Spitze. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs war sie – weit vor der Zugspitze – höchster Punkt auf deutschem Territorialgebiet. Mit der Unabhängigkeit Tansanias folgte 1964 die Umbenennung des Kibo in »Uhuru Peak«, Swahili für »Freiheit«. Heute versuchen 50 000 Bergsteiger im Jahr, ihn zu erklimmen; nur etwa die Hälfte erreicht ihr Ziel. Denn der Kilimandscharo gilt zwar als der einfachste der Seven Summits, der höchsten Gipfel jedes Kontinents, da für seine Besteigung in der Regel weder Steigeisen noch Seile oder Eispickel erforderlich sind. Trotzdem zwingt die Höhenkrankheit viele Alpinisten zur Umkehr, noch bevor sie die berühmte, schneeweiße Spitze erreicht haben. Wie lange sie noch diese Farbe trägt, ist übrigens unklar. Seit 1912 ist das Eis auf dem Kibo-Krater um mehr als 85 Prozent geschrumpft. Schon 2033 könnte es gänzlich vom Dach Afrikas verschwunden sein.

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